Projekt "Noscom Reha"

Projektziel war es, eine Software für den AOK-Bundesverband zu entwickeln, die individuellen Anwendern in den Standorten der 17 AOKs einen flexibel einstellbaren Vergleich von Reha- und Vorsorgeeinrichtungen sowie Krankenhäusern auf vorgegebenen Aggregationsniveaus ermöglicht. Auftraggeber war das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO).

Hintergrund

Projekthintergrund ist die Tatsache, dass seit dem Jahr 2003 in Deutschland schrittweise ein fallpauschalierendes Vergütungssystem zur Abrechnung von Krankenhausleistungen eingeführt wurde. Dabei werden Leistungen mit diagnoseorientierten Fallpauschen vergütet, während zuvor eine Krankenhausbehandlung in der Regel tagesbezogen über tagesgleiche Pflegesätze abgerechnet wurde. Bis zu zwei Drittel der Krankenhäuser wurden schon in 2003 vor dem für alle nichtpsychiatrischen Kliniken obligatorischen Umstieg zum 01.01.2004 mit den neuen Fallpauschalen abgerechnet. Aufgrund der spezifischen Anreizwirkungen fallpauschalierender Vergütungssysteme sind deutliche Veränderungen in der stationären Versorgung zu erwarten. Beispielsweise werden die Leistungserbringer mit einer Verkürzung der akutstationären Verweildauer und Verlagerung von Leistungen in die nachgelagerten Versorgungsbereiche reagieren. Insbesondere im Bereich der Anschluss-Rehabilitation könnte es zu einer Leistungsexpansion kommen. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Notwendigkeit, die Entwicklungen des Leistungsgeschehens durch sektorenübergreifende Analysen zu monitoren.

Anforderungen

Die Anwendung soll etwa 300 Benutzern den Zugriff auf diese Auswertungen über das AOK-Intraweb ermöglichen. Die Benutzer können von ihren Arbeitsplatzrechnern mit Hilfe eines Browsers die Auswertungsparameter festlegen und Auswertungen anfordern. Die Anwendung wurde in der Sprache Delphi entwickelt und mit Hilfe der Delphi-Komponenten-Sammlung → IntraWeb realisiert. Die Ausgabe erfolgt in Form von Excel-Tabellen. Diese werden mit der Delphi-Komponente → XLSReadWriteII erstellt. Aus diesem Grund wird kein Microsoft Excel auf dem Server benötigt. Auf den Client-Rechnern kann der Internet Explorer ab Version 5.5 und ein vorinstalliertes Excel vorausgesetzt werden. Ein zeitkritischer Part dieses Projektes ist die Generierung der Auswertungen, welche unter einer Minute pro Auswertung stattfinden sollte, wobei von durchschnittlich 20 gleichzeitigen Anwenderzugriffen ausgegangen wird. Die Applikation wurde in eine bereits vorhandene Intranet-Anwendung namens Noscom eingebunden und erhält dessen Benutzer-Anmeldedaten.

Das Projekt sollte möglichst modular und erweiterbar aufgebaut werden, um eine einfache Anpassung an zukünftige Analyseerfordernisse sicherzustellen. Daher wurden unter anderem die Struktur der Formulare und die Beziehungen der Formular-Elemente untereinander in einer Datenbank kodiert. Die SQL-Abfragen werden dynamisch anhand der vom Benutzer getätigten Angaben generiert. Die Ausgabe lässt sich durch Excel-Vorlagen anpassen.

IntraWeb

IntraWeb ist eine Sammlung von VCL-Komponenten für Delphi von AtoZed Software und befindet sich in der Version 5.0 im Lieferumfang von Delphi 7 Architect. Mit Hilfe der IntraWeb-Komponenten lassen sich Web-basierte Anwendungen ("Weblications") erstellen. Dabei kann man die gewohnte IDE von Delphi verwenden. IntraWeb-Formulare werden wie Delphi-Formulare behandelt und lassen sich per Drag & Drop mit Objekten befüllen. Die Sammlung an IntraWeb-Komponenten enthält unter anderem die Standard-GUI-Elemente wie Labels, Drop-Down-Boxen, Eingabefelder und Check-Boxen. Eine IntraWeb-Anwendung wird weiterhin in der Sprache Delphi geschrieben und setzt keine Kenntnisse von HTML und JavaScript voraus. Ein Großteil der Logik findet daher auf der Seite des Webservers statt, wobei einige Ereignisse der GUI-Objekte auch auf Client-Seite mit Hilfe von JavaScript realisiert werden. Eine IntraWeb-Anwendung lässt sich als Modul bzw. DLL für die Webserver Apache und Microsoft IIS kompilieren und somit in diese einbinden. Weiterhin kann eine IntraWeb-Anwendung zusammen mit einem IntraWeb-eigenen, kleinen Webserver gebündelt und als EXE-Datei ausgeliefert werden. Diese Methode ist jedoch eher zum Zweck des Debuggens gedacht und sollte im Produktiveinsatz keine Verwendung finden.

GUI-Logik & exemplarischer Programmablauf

Nach dem Aufruf von Noscom Reha über die Intranet-Anwendung hat der Benutzer die Möglichkeit, zwischen einer Vielzahl von verschiedenen Auswertungstypen zu wählen. Welche Auswertung im Endeffekt erstellt werden muss, bestimmt die für jede Auswertung charakteristische Parameter-Auswahl, die der Benutzer in der GUI festgelegt hat. Weiterhin existieren einige Fälle, in denen sich Parameter gegenseitig ausschließen (Beispiel: "A kann nicht gewählt werden, wenn B bereits gewählt wurde" oder "Wenn A gewählt, dann erlaube bei B nicht alle Eingaben" oder "Ist der Benutzer vom Bundesland A, so erlaube für B nur den festen Wert C"). Aus diesem Grund wurde in Noscom Reha eine ausgeklügelte "GUI-Logik" implementiert, welche auf Hintergrundtabellen in der Datenbank basiert. Aufgabe dieser GUI-Logik ist es, ungültige und nicht existente Parameter-Kombinationen bereits vor der Erstellung einer Auswertung abzufangen und die Falscheingaben dem Benutzer informativ darzustellen. Die GUI-Logik optimiert einen Arbeitsgang, da nicht erst nach oder während der Erstellung einer Auswertung festgestellt werden muss, dass die Benutzer-Eingaben ungültig sind.

TEDSoft hat vom WIdO eine Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt bekommen, welche alle Auswertungen inklusive ihrer Parameter beschreibt. Diese Datei bildet die Basis der GUI-Logik und wurde in der Datenbank durch mehrere Tabellen abgebildet. Diese Tabellen erlauben dem WIdO, Noscom Reha selber zu pflegen und in Zukunft mit neuen Auswertungstypen zu ergänzen, ohne den Programmcode modifizieren zu müssen.

Nachdem der Anwender das Formular mit gültigen Abfrage-Optionen befüllt und die Abfrage abgesendet hat, werden die Informationen an die in Noscom Reha implementierte SQL-Engine weitergereicht. Diese erstellt mit Hilfe dieser Informationen dynamisch eine SQL-Abfrage. Der Anwender wird währenddessen durch ein ActiveX-Applet, welches in einem Popup-Fenster geöffnet wird, über den aktuellen Stand der Auswertung informiert. Ist die Auswertung abgeschlossen, werden die gesammelten Daten in eine Excel-Mappe geschrieben. Die Excel-Mappe wird komprimiert und an das ActiveX-Applet übermittelt. Dieses entpackt das Archiv transparent im Hintergrund und öffnet automatisch die Excel-Mappe. Anschließend schließt sich das Applet. Dies markiert den Abschluss einer erfolgreichen Auswertung.

Noscom Reha erlaubt das simultane Erstellen mehrerer Auswertungen pro Benutzer. Während eine Auswertung läuft, kann der Benutzer die Eingaben im Formular anpassen und eine ähnliche Auswertung abschicken oder eine komplett neue Auswertung beginnen.

Ansprechpartner: Dr. Thomas Frontzek <frontzek@tedsoft.de>



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24.08.2017